Aufräumen mit Augenmaß

Ordnung muss sein! Alle Jahre wieder wird vor dem Winter in den Privatgärten und Stadtparks aufgeräumt. Das Laub der Bäume, das uns seit dem Frühling Schatten gespendet und unsere Luft mit frischem Sauerstoff angereichert hat, bedeckt nun - zum Ärger vieler - Wege, Beete und Rasenflächen. Wo früher Laubrechen und Besen das Gröbste erledigten, sind heute Laubbläser und Laubsauger im Einsatz: Laut, aber gründlich. 

Igel, Blindschleichen, Eidechsen und Kröten versuchen - geschützt im Laub - die kalte Jahreszeit zu überstehen. Im Laub überwintern aber auch unzählige Insekten, Spinnen, Asseln, Schmetterlinge und andere Kleintiere.  Mit unserem Ordnungssinn sorgen wir dafür, dass etliche den Winter nicht überleben. Krabbeltiere, die gar im Laubsauger landen, finden schon viel früher ein jähes Ende. Und während viele Menschen darüber klagen, dass Pestizide in der Landwirtschaft das Artensterben beschleunigen, tragen sie selbst in ihrem eigenen Umfeld auch gehörig dazu bei. Würden Privat- und Stadtgärtner das Laub mit dem Laubrechen auf  Haufen zusammentragen und über den Winter ungestört da liegen lassen, wäre das ein positiver Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt. Denn viele Vogelarten, die uns im nächsten Frühjahr mit ihrem Gesang erfreuen, sind für die Aufzucht ihrer Jungen auf "lebendiges Weichfutter" angewiesen. So könnte etwas Unordnung auch Leben retten.